Puno, Peru, 24.04.2002 (28681 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Zu Gast im Knast

Bevor ich losgefahren bin, habe ich dem Padre noch 20 Bolivianos in einem Umschlag mit der Aufschrift "Für die Kirche" unter der Tür hindurchgeschoben. Jetzt frage ich mich, ob er es wohl richtig verstehen wird, oder ob ich nicht hätte schreiben sollen: "Für die Projekte der Kirche". Das Kirchengebäude ist nämlich schon gigantisch genug.

Zwei Stunden später überholt mich ein Geländewagen, der mir sofort bekannt vorkommt. Der Fahrer hupt kräftig und winkt fröhlich. Es ist noch einmal der Italiener.




Die 24 Kilometer nach Chacala, die ich gestern abend noch eben unter die Räder nehmen wollte, sind knüppelhart. Hinter Pongo täuscht zunächst ein steiles Gefälle, doch bald danach geht es wieder weit bergauf, dann wieder etwas abwärts und wieder bergauf. Ständiges Auf und Ab. 100 Höhenmeter in dieser dünnen Luft nehmen mehr Atem als 400 in den Alpen. Der höchste Paß an diesem Tag liegt auf 4496 Metern. Für die 24 Kilometer nach Chacala brauche ich drei Stunden! Dann geht es aber in weiten Kurven hinunter ins Altiplano, in die zentrale Andenhochebene.

Die Regenzeit ist Ende April noch nicht ganz vorüber. Es tröpfelt zwar nur selten, aber die meiste Zeit ist der Himmel verhangen. Weite Teile der steinigen Ebene sind mit Gras bewachsen, auf denen Schafe und Lamas weiden. Voluminöse Frauen mit weiten Röcken, Wollpullover und Melonenhut über zwei langen schwarzen Zöpfen scheuchen die Tiere von hier nach dort und von dort nach hier. In der Hand schwingen sie Steinschleudern, die ihnen auch als Peitschen dienen.

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