Puno, Peru, 24.04.2002 (28681 Kilometer)
Der Padre ist tatsächlich ein Italiener, ein attraktiver Mittdreißiger, der seit fünf Jahren in Pongo lebt. Er sieht so verdammt gut aus, daß ich mich frage, ob er vielleicht - wie einst Luther - in schwerer Gefahr ein Gelübde abgelegt hat und es nun in diesem abgelegenen Winkel der Erde einlöst.
Wir unterhalten uns ein bißchen über die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft. Da ich nicht ganz auf dem laufenden bin, frage ich, ob Italien eigentlich auch dabei ist. "Natürlich!" erwidert er beinahe entsetzt. Den Titel werde allerdings - davon ist er felsenfest überzeugt - Argentinien holen.

Der Padre weist mir ein Bett in einem kleinen Schlafsaal zu. Statt einer Heizung gibt es dort nur Unmengen von Wolldecken. Auch in dem Restaurant, in dem ich zu Abend esse, heizen sie nicht. Die Gäste sitzen dick eingemummelt vor ihren Suppen. Die grob gezimmerte Holztür steht die ganze Zeit offen.
Am Morgen ist es in meinem Schlafraum gerade noch acht Grad warm. Draußen sind es um die null Grad. Die beiden ersten Menschen, die mir an diesem Tag begegnen, sind Frauen, die ein paar Schafe vor sich hertreiben. Sie tragen aus alten Autoreifen gefertigte Sandalen, wie sie auch in Afrika sehr verbreitet sind. Aber trotz der Kälte haben diese beiden Damen keine Strümpfe an.
weiter