Cochabamba, Bolivien, 10.04.2002 (25302 Kilometer)
Die Eisenbahn hätte die einzige Möglichkeit geboten, bei weiter anhaltendem Regen hier auszubrechen. Kein Zug - kein Entkommen. Ich muß warten. Ich warte darauf, daß die Piste abtrocknet. Und wenn es in der Nacht wieder regnet, werde ich einen weiteren Tag warten müssen.
Die Nacht bleibt ohne Regen. Am Morgen ist es stark bewölkt, doch die Wolkendecke scheint dünn zu sein. Nach einigem Zögern breche ich auf. Die Angst, im Busch vom Regen überrascht zu werden, sitzt mir jedoch im Nacken.

Obwohl es auf lange Distanzen keine Ortschaften gibt und auch keine Estancias am Wegrand zu sehen sind, wandern viele Haustiere auf der Piste herum: Rinder, Esel, Pferde, Schweine, Schafe und Ziegen. Man muß sich fragen, wo wohl ihre Heimat ist und wie sie zurückfinden.
Witzig wirken die dickbäuchigen Bäume ("palo borracho"), die mitunter neben der Piste stehen und auch in den kleinen Ortschaften oft die Straßen säumen. Sie sehen aus, als hätten sie ihre letzte Mahlzeit noch nicht ganz heruntergeschluckt. Und sie erinnern ein wenig an die Baobabs und die Flaschenbäume Afrikas. Gemeinsam ist allen die Fähigkeit, große Mengen Wasser zu speichern, um längere Trockenzeiten zu überstehen.
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