Cochabamba, Bolivien, 10.04.2002 (25302 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Festgefahren

Es regnet die Nacht durch und auch noch am Morgen. Einen weiteren Tag sitze ich in Laguna Yema fest. Kein Auto fährt mehr, selbst Lastwagen haben keine Chance. - Aber da sind doch die Eisenbahngleise, die parallel zur Piste verlaufen! Ich habe zwar noch keinen einzigen Zug gesehen, aber wenn er wöchentlich fährt, müßte er bald vorbeikommen.

Beim Tankwart, mit dem ich mich gestern schon längere Zeit unterhalten habe, frage ich nach dem Zug. "Er kommt heute nacht", sagt er, "so gegen neun Uhr." - "Wie lange hält er hier? Habe ich genügend Zeit, meine Sachen aus dem Hotel zu holen, oder muß ich am Bahnsteig warten?" - "Der Zug hält nur kurz in Laguna Yema. Vielleicht fünf Minuten." - Also werde ich im Dunkeln am Bahnsteig ausharren müssen.



Nach zwei Tagen Zwangsaufenthalt in Laguna Yema endlich wieder auf der Piste.

Auf dem Weg über die Gleise zum Bahnhofsgebäude wundere ich mich, daß hier überhaupt noch Züge fahren. Die Gleise sind streckenweise überwuchert, der Backsteinbau sieht ziemlich heruntergekommen aus. Ein Mann, der in einer kleinen Hütte neben dem Bahnhof wohnt, behauptet denn auch, daß seit Jahren kein Zug mehr vorbeigekommen ist.

Aussage gegen Aussage. Nun starte ich eine Großumfrage in Laguna Yema. Sie ergibt eindeutig, daß die Bahnstrecke seit vielen Jahren stillgelegt ist. Der Tankwart hat mit grandioser Glaubwürdigkeit phantasiert. Das kann jedoch kaum an den Coca-Blättern liegen, die er gekaut hat. Coca-Blätter machen widerstandsfähig und apathisch, aber nicht zum erfinderischen Märchenerzähler.

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