Tartagal, Argentinien, 27.03.2002 (27177 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Ausgewandert

Morgens um kurz nach sechs Uhr weckt mich deutsche Volksmusik. Die Bananenstauden und Papayabäume vor dem Fenster sind aber echt. Wolfgang hat den Weltempfänger auf die "Deutsche Welle" eingestellt. Ein bißchen Heimweh also vielleicht doch?

Bevor ich mich von den beiden verabschiede, meldet mich Wolfgang telefonisch bei Alfred Stümpel an, einem Schreiner, der aus Hildesheim stammt, wo ich meine Schulzeit verbracht habe. Alfred wohnt nur eineinhalb Radelstunden entfernt. Er ist allerdings ziemlich kurz angebunden. Nach einem Zehnminutenplausch fahre ich weiter.



Hier gibt es gute Co-Burger.

Nach 14 Kilometern leuchtet in der warmen Morgensonne die Imbißstube "Frankonia", die gerade in diesen Minuten öffnet. Reinhold Emmert aus Coburg lebt auch schon über 20 Jahre in Paraguay. Neulich ist er zum ersten Mal nach 16 Jahren wieder in Deutschland gewesen.

"Und - wie war's?"

"Naja, die Leute haben sich doch sehr verändert."

"Inwiefern?"

"Sie sind so ernst geworden. Viele scheinen Existenzangst zu haben. Aber gleichzeitig unterwerfen sie sich einem Konsumterror. Zeit haben sie auch nicht. Eine Stunde freuen sie sich über deine Anwesenheit, doch dann beginnen sie, nervös auf die Uhr zu schauen."

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