Tartagal, Argentinien, 27.03.2002 (27177 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Ausgewandert

Raub, Mord, Betrug, Diebstahl und insbesondere Korruption - das alles scheint an der Tagesordnung in Paraguay zu sein. Wirft man einen Blick in die Zeitung, fällt der lapidare bis zynische Ton auf. Mörder werden als "Bösewichte" oder "Übeltäter" bezeichnet. Über korrupte Politiker wird berichtet wie über Parksünder. Fatalismus schwebt über allen Berichten. Die Aussagen eines angeblich überfallenen Bankdirektors werden sämtlich im Konjunktiv vorgebracht; der Bericht schließt mit dem Hinweis auf das "Pittoreske", daß die teetrinkenden Wachbeamten vor der Tür von dem Überfall nichts bemerkt haben wollen.




In einer Anzeige wird gefragt: "Haben Sie Probleme mit regelmäßigem Viehdiebstahl? - Wir helfen Ihnen weiter." Es ist eine rhetorische Frage, denn Probleme mit Viehdiebstahl hat praktisch jeder Farmer. Der Südafrikaner John wird mir am nächsten Tag sein Leid diesbezüglich klagen. Nach elf Jahren in Paraguay ist er nahe daran, in seine Heimat zurückzukehren. "Manchmal schlachten die Diebe die Rinder gleich auf der Wiese und nehmen nur das Fleisch mit", erzählt er. "Und auch die Korruption kann einen hier mürbe machen. Das ganze Land wird von fünf Familien kontrolliert."

Bezeichnenderweise handelt auch die Kurzgeschichte in der Zeitung von einem Überfall: Die Oma, der ein Maskierter die Waffe an die Brust hält, kann in einem Telefongespräch ihrer Freundin codiert die Situation schildern, und so wird es der Polizei im Happy End möglich, die Verbrecher zu überwältigen.

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