Asuncion, Paraguay, 13.03.2002 (26208 Kilometer)
Ciudad del Este hieß bis 1989 "Puerto Presidente Stroessner". Nach dem Sturz von Alfredo Stroessner, der das Land 35 Jahre lang diktatorisch regierte, beeilte man sich, die Stadt an der Grenze zu Brasilien umzubenennen. Stroessner floh ins Exil nach Brasilien, wo er inzwischen alt und gebrechlich geworden ist. Neulich hat der 89jährige öffentlich darum gebeten, in Paraguays Hauptstadt Asunción zurückkehren zu dürfen.
In Ciudad del Este herrscht ein quirliges Gewimmel in engen Gassen, in denen sich ein Elektronikgeschäft an das andere reiht. Der Ort erinnert sehr an Bilder fernöstlicher Städte. Das "Wall Street Journal" spricht von 15.000 Geschäften in 20 Häuserblöcken, der Umsatz wird auf 55 Milliarden US$ jährlich geschätzt.

Hunderte Brasilianer reisen täglich mit Bussen und Taxis zum Shopping ein. Über die Freundschaftsbrücke bewegt sich eine nicht abreißende Kolonne von Burschen und Männern, die mit großen Kartons auf dem Rücken zwischen Paraguay und Brasilien pendeln. "Contrabando hormiga" wird das ganze treffend genannt - Ameisenschmuggel. Die Zöllner unterbinden ihn offenbar deswegen nicht, weil für sie immer ein paar Scheine abfallen.
Unter Federführung der Vereinigten Staaten werden in den Häuservierteln dieser Stadt auch immer wieder Fälscherwerkstätten ausgehoben, die beispielsweise massenweise Raubkopien von CDs herstellen. Viele dieser Unternehmen sind in arabischer Hand. Die USA sind sicher, daß es einen massiven Geldfluß aus Ciudad del Este zu orientalischen Terrorgruppen gibt.
Zwei Tage später breche ich meine Zelte in Brasilien ab. Paraguay wartet. Ein Land, bei dem man auch in der Zeit nach der Stroessner-Herrschaft an "Korruption" und "Bananenrepublik" denkt. War Ciudad del Este nur der Vorgeschmack?