Curitiba, Brasilien, 16.02.2002 (25193 Kilometer)
Wir bleiben etwa eine Stunde oben auf dem Corcovado, aber die mehr als 1000 Tonnen schwere Christus-Statue bewegt sich nicht. Sie blickt starr hinunter zum Zuckerhut. Auch hier oben haben sie an den Kiosks die Postkarte mit dem verdrehten Christus. Wenn man sie genau mit den anderen vergleicht, findet man eine Karte, die sich in nichts anderem unterscheidet als der Statue. Sogar die Besucher auf beiden Bildern sind die gleichen. Der umgedrehte Christus ist eine kackfreche Fotomontage.

Als ich Christian zum ersten Mal traf, lief ihm Blut über das Gesicht. Ein paar Minuten zuvor nur war er überfallen worden. Das ganze geschah in dem eher als sicher geltenden Stadtteil Catete. In der Rua Silveira Martins waren vor und hinter ihm Passanten unterwegs. Die Straße ist im allgemeinen gut beleuchtet, aber an einer Stelle war die Birne einer Straßenlampe durchgebrannt. Zwei junge Männer näherten sich Christian von hinten auf Fahrrädern, einer riß von der linken Seite her den Tagesrucksack ab, der anderen schlug ihm von der rechten Seite irgend etwas über die Stirn. Und schon waren die beiden wieder fort.
Materiell hat Christian nicht viel verloren. In dem Rucksack befand sich ein ausgeliehener Reiseführer und ein einfacher Fotoapparat. Dafür haben die Diebe aber auch seine gute Laune mitgenommen. "Noch sechs Tage soll ich jetzt in Rio rumhängen", meinte er deprimiert. Er war gerade erst vier Stunden in der Stadt.
weiter