Cumuruxatiba, Brasilien, 14.01.2002 (20439 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Die Weihnachtsfrau ist schwarz

Salvador ist eine Hochburg des Samba. Da die Musikgruppen keine Säle zum Üben haben, ziehen sie abends trommelnd durch die Straßen. Sie werden angeführt von einem Dirigenten, der eine Art Trainerrolle übernimmt. Als ich an einem Abend mit Frank, einem Hamburger Sambalehrer, durch die engen Altstadtgassen laufe, stoßen wir auf einige dieser Gruppen.



Frank ist in Hamburg Samba-Lehrer. Nach Salvador kommt er als Schüler.

Eine Band - Frank vermutet, sie habe sich wohl gerade erst spontan aus Einzelmusikern gebildet - wird von einem 50jährigen in Hawaihemd und mit altmodischer Hornbrille auf der Nase geleitet. Ab und zu reißt er einem der Trommler die Schlegel aus der Hand und trommelt mit doppelter Kraft und im richtigen Rhythmus auf dem Instrument herum. Mit einem "So mußt du's machen" auf dem Gesicht gibt er die Schlegel wieder zurück. Der kleinste Musiker in dieser Gruppe ist vielleicht gerade zwölf Jahre alt. Er spielt sein Instrument mit gelassenem Blick, die Hände und Finger wirbeln über die Trommel, als täten sie das schon seit 50 Jahren.

In einer anderen Gruppe gibt es einen kleinen Eklat. Eine 20jährige hält offenbar die Kritik des "Trainers" für ungerechtfertigt. Es fliegen ein paar heftige Worte hin und her, dann zieht das Mädchen ihre Lippen zu einem Schmollmund zusammen. Sie schnallt sich die Trommel ab, wirft dem Dirigenten die Schlegel vor die Füße und geht.

weiter

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6