Praia do Forte, Brasilien, 26.12.2001 (19659 Kilometer)
Ilza schob den Finger unter den Wörtern entlang, als müßte sie bei jedem Buchstaben nachdenken. Ist sie etwas Analphabetin? Nein - kann nicht sein. Sie hat sich in den Illustrierten nicht nur die Bilder angeschaut. Nach einer Weile meinte sie leise, daß so etwas nicht zu befürchten sei. "Josef ist nur verbal aggressiv."
Den Großteil dieser Nacht hielt ich Wache, da ich ja nach meinem Arbeitsverbot am besten ausgeruht war. Vier Stunden übernahm Ilza. Am Morgen tauchte ein entspannter Josef an Deck auf. Zum ersten Mal seit zwei Tagen grüßte er wieder. Er brachte ein paar versöhnliche Worte und meinte, wir müßten uns zusammenreißen, um die letzten paar Tage geordnet über die Runden zu bringen.
Als mich drei Nächte später Ilza zu meiner letzten Wache weckte, war bereits ein heller Lichtschein im Westen zu sehen. Die Lichter von Recife. Im Morgengrauen liefen wir im Hafen ein. Josef hatte in diesem Moment seine Weltumsegelung vollbracht.
Im Laufe desselben Tages konnten wir alle Formalitäten bei Immigration und Zoll erledigen. Am nächsten Tag brachten wir das Schiff auf Vordermann. Ilza lud abends noch einmal zu ihrer tollen Pizza ein, und wir stießen auf Josefs Weltumrundung an.

Recife liegt sehr weit oben in Brasilien. Wenn ich in die Andenländer will, muß ich ein paar Tausend Kilometer nach Süden fahren, um dann nach Westen Richtung Paraguay und Bolivien einzuschwenken. Nach drei Tagen des Orientierens und Organisierens geht es los. Richtung Salvador und Rio de Janeiro.
Wie man hier hört, erlebt Deutschland weiße Weihnachten mit viel Schnee. Hier liegt statt dessen meterhoch Sand - an den Stränden um Salvador.