Atlantik, Atlantik, 10.12.2001 (18823 Kilometer)
So ist es. Sich von außen belehrend in solche Angelegenheiten einzumischen, wäre wirklich anmaßend. Es gibt Afrika-Besucher, die beklagen, daß die Afrikaner ihren "traditionellen Lebensstil" aufgegeben haben. Die es bedauern, daß man jetzt auch in Afrika Fernseher und Telefon hat. Als müßten die Afrikaner dafür herhalten, daß für uns immer noch ein paar idyllische und rückständige Plätzchen auf der Erde übrigbleiben, an die wir uns für eine begrenzte Zeit zurückziehen können.
Ann weiß nicht so recht, was sie von dem Flughafenprojekt halten soll. Wie die meisten, ist auch sie noch unentschieden.

Als wir uns der Insel über das Wasser von Südosten her näherten, erschien sie uns trostlos und karg. Wie aus nacktem Fels. Nun, da wir durch das Landesinnere fahren, sind wir überrascht von dem üppigen Grün, das mitunter an Irland erinnert. Es geht bergauf und bergab. Der höchste Punkt dieser kleinen Insel ragt immerhin über 800 Meter empor. Viele Sisalpflanzen sehen wir neben der Straße. Bis in die 60er Jahre hinein war Sisal der Hauptexportartikel, bis synthetische Fasern das Naturprodukt verdrängten.
Wir kommen nach Longwood. Zu dem Haus, in dem Napoleon Bonaparte seine letzten Jahre verbrachte. Nach seiner Waterloo-Niederlage wurde Napoleon 1815 nach St. Helena verbannt; die Insel soll auch ihm gut gefallen haben. Trotzdem starb er sechs Jahre später. 19 Jahre ließ man ihn im Geranium Valley auf der Insel ruhen, bis sein Körper 1840 nach Paris überführt wurde.
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