Kapstadt, Südafrika, 10.11.2001 (18823 Kilometer)
Der breite Orange River, der die Grenze zwischen Namibia und Südafrika markiert, ist ein Fremdlingsfluß: Er windet sich wasserreich durch eine Gegend, in der es eigentlich gar kein Wasser geben dürfte. Sein Ursprung liegt in den mit Regen gesegneten Bergen im Osten Südafrikas bei Lesotho. Wie der Nil in Ägypten, bildet auch der Orange River eine Flußoase, an deren Ufern intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Sogar Wein wird hier angebaut. Ein schmales grünes Band, das sich durch diese herbe Landschaft aus Beige und Braun hindurchzieht.
An der Grenze fragt der Zöllner, ob ich eine Schußwaffe dabei habe. Er gibt sich mit meinem "Nein" zufrieden und kontrolliert auch nicht weiter das Gepäck. Bei der Immigration bitte ich um mehr als den üblichen einen Monat Aufenthaltsdauer. Ich weiß nicht, wie lange es in Kapstadt dauert, bis ich ein Schiff nach Amerika finde. Ich weiß auch nicht, wie groß meine Ausdauer bei der Suche sein wird - wann ich gegebenenfalls kapituliere und mich doch mit einem Flug abfinde. Sie geben mir zwei Monate - bis Weihnachten.

Jenseits der Grenze steigt die Straße von 200 Metern an auf über 1000 Meter. Das Namaqua-Land ist so dürstend wie das in Namibia.
Einmal im Jahr haben sie hier allerdings - sofern genügend Regen fällt - eine unglaubliche Blumenpracht. Dieses Jahr muß es phänomenal gewesen sein. Leider bin ich etwas zu spät dran. Gawie zeigt mir Fotos von dichten bunten Blumenteppichen in knallgelb und blutrot. Fotos, die erst wenige Wochen alt sind, aber vollkommen irreal wirken - als hätte man plötzlich Farben auf seinem Schwarzweiß-Fernseher.
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