Windhoek, Namibia, 12.10.2001 (17155 Kilometer)
Der Krampf im Oberschenkel ist raus, aber nun verkrampft sich die linke Fußsohle. Um die Muskeln zu dehnen, ziehe ich die Zehen an, aber schon kommt ein Krampf vorn in der Wade. Fuß wieder nach hinten ziehen - das wird bestraft mit einem Krampf in der hinteren Wade. Unablässig massiere ich mit beiden Händen die Oberschenkel.
Eine Stunde lang schüttele ich die Beine. Einmal schlafe ich kurz ein, aber schnell weckt mich wieder ein Krampf. Ich massiere weiter. Schlafe wieder ein, wache durch einen Krampf wieder auf. Es wird kühl. Der Schlafsack ist in der vorderen Packtasche auf der anderen Seite. Bei hochgelegten Beinen komme ich da nicht dran. Vorsichtig lege ich die Beine herunter. Doch nur für ein paar Sekunden, denn sofort folgt wieder die Strafe. Hoch die Beine und weiter die Oberschenkel massieren. Es dauert eine weitere Stunde, bis ich mich endlich zum Schlafen legen kann.
Ich bin schwer angeschlagen. Vollkommen ausgetrocknet, obwohl ich getrunken habe wie ein Kamel. Morgen werde ich nur bis zum Mittag radeln und dann erst am späten Nachmittag weiterfahren.

In den ersten Morgenstunden begegnen mir einige Strauße. Sie scheinen gute Augen zu haben, denn sie rennen schon weg, wenn ich noch mehrere Hundert Meter entfernt bin. Als Radler bin ich ihnen verdächtiger als die Autofahrer, die sie ohne Furcht passieren lassen. Ein lustiges Bild, wenn sie davonrennen. Die Oberschenkel beschreiben fast eine Kreisbewegung. Das sieht wirklich ähnlich aus wie bei dem Road Runner im Zeichentrick.
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