Maun, Botswana, 23.09.2001 (18576 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5   Angst!

Es ist eine riesige Herde von vielleicht 200 Tieren. So viele Büffel habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Die Sorge der netten Uniformierten ist nicht unbegründet. Kaffernbüffel sind für die meisten tödlichen Unfälle in Afrika verantwortlich. Sie sind grundsätzlich aggressiv. Und mit ihren 900 kg Lebendgewicht machen sie aus deinen 75 kg mit ein paar gezielten Huftritten schnell Totgewicht.

Die Polizisten eskortieren mich drei Kilometer bis zum Waldrand. Nun beginnt offenes Land, zum Teil sogar kultiviert. Baumwolle und Sonnenblumen werden hier angepflanzt. Wir sind im Einzugsbereich des Dörfchens Würzburg.

Dort versprechen mir die Einheimischen, daß ich auf keine weiteren Elefanten mehr treffen würde. Elefanten gebe es nur in dem hinter mir liegenden Waldgebiet. Der Weg nach Göttingen führe nun durch den Lebensraum von Löwen.



Man muß schon ein paar Monate trinken, bis man sich so eine Hütte aus Dosen und Lehm bauen kann. Isolierwert wahrscheinlich besser als der von Poroton-Ziegeln.

Wie es so oft ist: Man bekommt die unterschiedlichsten Warnungen, aber auch beruhigende Aussagen - und am Ende ist man orientierungslos. Die Beurteilung der Gefahr reicht hier von "Ich habe auf diesem Abschnitt noch kein einziges Mal einen Löwen gesehen" bis "Dies ist DAS Jagdgebiet der Löwen! Eine große offene Ebene. Und das sind hier die großen Löwen, die Männchen haben diese schwarzen Mähnen!"

Ein 20jähriger meint, daß man tagsüber wohl keine Furcht haben müsse. Aber ich solle mir vielleicht eine Glocke mitnehmen; die Löwen liebten die lauten Geräusche nicht. Wie es sich wohl radelt, wenn man nebenher noch 200 Kilometer lang eine Glocke schlagen muß?

So starte ich am nächsten Morgen also wieder mit Angst. Doch sie hält nur ein paar Stunden lang an. Weil einfach nichts passiert - keine Löwen, keine Elefanten, nicht einmal Warzenschweine oder die zarten Impalas.

In einem Polizeicamp 60 Kilometer vor Göttingen übernachte ich. "Haben Sie schon mal einen Löwen hier gesehen?" - "Nein", sagt der Uniformierte, "wir hören sie nur ab und zu nachts."

Am nächsten Tag schaffe ich es bis nach Hildesheim; tags darauf schiebt mich Rückenwind mehr als 200 Kilometer nach Hamburg. Wilde Tiere sind hier kein Problem mehr. Aber die Hitze nimmt mit jedem Meter zu, den die Kalahari näherrückt.


ENDE

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