Maun, Botswana, 23.09.2001 (18576 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5   Angst!

Gerade als ich dem Dicken am nächsten bin, dreht er sich um und stellt die Ohren auf. Ich fahre schneller und möchte am liebsten gar nicht zurückschauen; aber ich muß sehen, was er tut. Er hebt den Rüssel und trompetet laut. Und dann hebt er die Vorderbeine wie ein Pferd, das zum Sprung ansetzt. Er nimmt die Verfolgung auf!

Meine Güte! In Sekunden hat sich dieser träge Felsen in eine muskelprotzende Kampfmaschine verwandelt. Diese unbändige Kraft! Er wird mich tottrampeln! Sofort ist mir klar, daß Elefanten wirklich 40 km/h schnell sein können. Ich trete in die Pedale, so fest ich kann: 23 km/h ... 25 ... 27 ... 30 ... Aber 40 sind mit dem vielen Gepäck und den 10 Litern Wasser nie und nimmer möglich. Wielange wird es dauern, bis er mich eingeholt hat? Wer wird das bessere Stehvermögen haben?



Endlich hat sich der Dicke entschlossen, die Straße zu überqueren. Wenig später will er mir in die Speichen treten!

Um keinen Sekundenbruchteil zu verschenken, drehe ich mich jetzt nicht mehr um. Ist im Rückspiegel etwas zu erkennen? Ja. Oh! - Ein beruhigendes Bild. Der Bulle läuft zwar immer noch, aber er hat die Richtung geändert und kehrt wieder in den Wald zurück. Wenn er mich zu Tode erschrecken wollte, dann hat er sein Ziel ja auch erreicht. Ich glaube, ich rieche inzwischen nach Angst. Langsam bin ich auch froh, daß man mir die Abkürzung durch den "wildreicheren" Park verboten hat.

Während ich noch durchatme, wendet vor mir das olivgrüne Auto, das mich kurz vor der Elefanten-Attacke überholt hat. Es ist ein Wagen der Military Police. Der Beifahrer steigt aus, begrüßt mich freundlich und zeigt dann nach vorn rechts ins Gebüsch: "Sehen Sie dort: eine große Herde Büffel. Wir werden Sie eskortieren."

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