Victoria Falls, Zimbabwe, 13.09.2001 (15563 Kilometer)
Die Preise für sämtliche Importwaren spiegeln den Schwarzkurs wider. Oder den Graukurs - wie auch immer man das nennen will. Die Waren aus dem Ausland werden für die Zimbabwer also täglich teurer. Für die meisten sind sie schon lange unerschwinglich. Auch Benzin kann sich kaum noch jemand leisten; mitunter ist Treibstoff aber überhaupt nicht verfügbar. Der elektrische Strom, der hauptsächlich aus Südafrika kommt, wird ebenfalls ab und zu gekappt.
John, der Sohn eines bisher unbehelligten weißen Farmers im Osten der Landes, sieht düstere Zeiten für Zimbabwe. Die besetzten Farmen - etwa ein Drittel - konnten in diesem Jahr nicht produzieren. "Wir haben noch Lebensmittel für ein paar Wochen", sagt John. "Der Regen kommt erst Ende Oktober oder Anfang November. Wir können also erst im nächsten Jahr wieder ernten. Das ist zu spät. Wir werden auf Hilfe von außen angewiesen sein."

Am Tag vor Libbys Heimreise machen wir noch einen Ausflug in den Chobe-Park im benachbarten Botswana. Neben unzähligen Elefanten bekommen wir dort die Löwen zu sehen, die wir im Hwange-Park in Zimbabwe nicht fanden. Drei ausgewachsene Tiere sitzen im Schatten unter einem Baum, hecheln und machen einen erschöpften Eindruck. Sie scheinen sich gerade sattgefressen zu haben. 20 Meter von ihrem Baum entfernt liegt der Kadaver eines Kaffernbüffels im Gras. Geier nagen ab, was die Löwen übriggelassen haben.
Die Löwen schauen dem Treiben der Geier eine Zeitlang zu. Dann plötzlich setzt sich eine Löwin in Bewegung und gelangt mit wenigen Sprüngen zu dem Büffel. Sofort steigen die Vögel auf, landen einige Meter abseits, um den Kadaver nicht aus den Augen zu verlieren. Die Löwin begutachtet den Büffel, frißt aber nicht mehr. Als sie sich wieder zurückzieht, schleichen sich die buckeligen Geier mit vorsichtigen Schritten wieder an. Gestik und Bewegungen sind wie in einem Comic-Film. Sie scheinen sogar zu grinsen.
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