Lilongwe, Malawi, 05.08.2001 (16390 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Verwelkter Traum

Einige der Kinder, die Kleinsten, verstehen allerdings gar nicht, was sie da rufen. Sie plappern einfach nur nach, was sie bei den Größeren hören. Und sie plappern auch nach, was ihnen genervte Traveller als Antwort zurückgegeben haben. Wie sonst ist zu erklären, daß manche Kids fröhlich winkend am Straßenrand stehen und mit heller Stimme grüßen: "Fuck you"?

Besonders entmutigend die Beleidigungen, die uns Halbwüchsige in den Dörfern an den Kopf werfen. Was ihre Rufe genau bedeuten, verstehen wir nicht; daß es abfällige Bemerkungen sind, ist jedoch an dem häßlichen Gelächter der Umstehenden zu erkennen. Manchmal grüßen die jungen Männer vorher scheinheilig. Wir grüßen freundlich zurück und bekommen dann als Antwort nur wieder dieses häßlich abfällige Gelächter. Eine Zeitlang haben wir uns das gefallen lassen. Schließlich legten wir uns aber Scheuklappen an. Kein Gruß mehr zurück. Schade um die Malawier, die aufrichtig freundlich sind.



Aufstieg nach Livingstonia.

Wirklich eine Enttäuschung, dieses Malawi zu Beginn des neuen Jahrtausends. Wir bewegen uns - wie die Einheimischen - mit dem Fahrrad fort. Wir frühstücken - wie sie - in einfachen Mini-Restaurants Tee mit trocken Brot. Aber sie behandeln uns, als seien wir weiße Clowns. Das Fazit ist ein trauriges: Wenn du als Weißer in diesem Land respektiert werden willst, dann kommst du am besten mit einem dicken Auto und trittst möglichst arrogant auf.

Auch das Gewaltverbrechen wurde inzwischen nach Malawi importiert. Man hat sich das offenbar in den Nachbarländern abgeschaut. Kenya kennt Raub und Totschlag schon lange. Tanzania übt, seit das sozialistische System der allgemeinen Privatisierung weicht - der Existenzkampf wird härter, die Kluft zwischen Arm und Reich größer.
weiter

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6