Lilongwe, Malawi, 05.08.2001 (16390 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Verwelkter Traum

In nur acht Jahren hat sich das grundlegend geändert. Kinder stehen nun am Straßenrand Spalier und rufen aggressiv im Chor: "Give me money!" - "Give me a pen!" - "Give me your T-shirt!". Manche schreien einfach nur "Give me!" und halten die Hand auf.

Der zunehmende Tourismus der letzten Jahre ist daran wohl nicht schuldlos. Es hat offenbar Reisende gegeben, die sich gut fühlten, wenn sie die Kleinen mit Bonbons, Kugelschreibern, Luftballons und dergleichen überschütten konnten. Damit haben sie jedoch nur für weiteres Verlangen gesorgt, und nicht etwa echte Bedürfnisse befriedigt. Vor allem aber haben sie damit den Fehler gemacht, der den ersten Entwicklungshelfern vor vielen Jahrzehnten in Afrika unterlief.



AIDS - Malawis Präsident Muluzi legt den Finger auf diese klaffende afrikanische Wunde.

Längst ist ein wichtiger Grundsatz unumstritten: Gib niemals etwas ohne Gegenleistung. Man tut den Menschen in Afrika damit keinen Gefallen, weil man sie träge und abhängig macht. Letztlich verlieren sie auch ihre Würde. Sie werden zu Almosenempfängern.

Inzwischen erwarten die Kinder in Malawi von jedem Weißen, der vorbeikommt, ihr Geschenk. Give me! Give me! Give me! - Mehr als hundert Mal am Tag dringt es in die Ohren, hallt es in unserem Schädel.
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