Lilongwe, Malawi, 05.08.2001 (16390 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Verwelkter Traum

Der Schwule war nicht Schuld daran. Er hat uns zwar durchaus kalt erwischt, als wir gerade erst ein paar Kilometer in Malawi geradelt waren. Da schlich sich der 20jährige mit seiner ausgebeulten Rastafari-Mütze auf einem alten Drahtesel an uns heran und kroch Max - als er auf gleicher Höhe mit ihm war - regelrecht ins Ohr.

"Fuckin' hell! No!" war Max' Reaktion.

"Was hat er denn gesagt?" fragte ich.

"I want you in my bed!"

So, wie er sich angeschlichen hatte, verschwand er auch wieder: keine Umwege, keine Umschweife, kein überflüssiges Wort. Er nahm die Niederlage gefaßt hin.

Nein. Dieses Ereignis hakten wir unter "Muß man auch mal erlebt haben" ab. Der Schwule trug nicht die Schuld an unserer Enttäuschung von diesem Land. Schuld war meine Erinnerung.



Ein "Shopping Center" in Malawi.

Wenn man mich nach meiner Afrika-Tour 1993 fragte, wo es mir denn besonders gut gefallen habe, war meine Antwort stets: Die nettesten Menschen waren die im Norden des Sudan, die Malawier und die Zimbabwer. In Malawi waren die Leute überaus freundlich, dabei angenehm zurückhaltend und ausgesprochen friedfertig.

Es gab keine Bettelei. An Raub oder Überfälle, die schon damals in vielen anderen Ländern südlich des Äquators eine verbreitete Gefahr waren, war auch in den großen Städten Malawis nicht zu denken. Malawi war so etwas wie ein unschuldiges Land.

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