Morogoro, Tanzania, 02.07.2001 (12792 Kilometer)
Die eine Mark fünfzig, um die er mich betrügen wollte, hätte ja nun kein großes Loch in meine Reisekasse gerissen. Aber es geht ums Prinzip. Er hält mich für einen dieser blöden Touris, denen er nehmen kann, soviel er will. So etwas macht mich sauer.
Auch Tanzania ist schon ziemlich verdorben. Um die "Safari-Hauptstadt" Arusha herum eine auffallend hohe Zahl von kleinen Gelegenheitsbettlern - Kindern und Jugendlichen die vom Straßenrand her rufen: "Give me a pen!", "Give me money!" oder einfach "Sawadi!" - das Swahili-Wort für "Geschenk".

In einem Minirestaurant kurz vor Arusha aßen Max und ich ein paar der pfannkuchenähnlichen Chapatis und tranken Cola. Da diesen kleinen Verpflegungsbuden sich die Preise praktisch nicht unterscheiden, war ziemlich sicher, daß sich die Rechnung auf 800 Tanzania-Shilling belaufen würde. Der junge Kellner präsentierte uns jedoch auf einem ausgerissenen Zeitungsfetzen die Zahl 1200. Wir fragten nach den Preisen für die einzelnen Posten. Sie entsprachen dem Üblichen. Summe also 800. Wir monierten, und der Junge bestätigte mit einem verlegenen Lächeln. Der schnelle Rückzug kam uns verdächtig vor. Daher legten wir nur 700 Shilling auf den Tisch. Er nahm das Geld ohne Widerspruch.
Wundern muß man sich über diese Entwicklung wohl nicht, denn die Leute hier kriegen ja mit, daß die Besucher aus dem Westen für drei Tage Safari so viel bezahlen, wie ein Tanzanier in einem halben Jahr verdient.
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