Nairobi, Kenya, 31.05.2001 (11799 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Kenyas rauher Norden

Am ersten Abend schafft unser Konvoi gerade eben die 250 Kilometer bis zu dem kleinen Städtchen Marsabit. Die letzte Stunde sind wir in der Dunkelheit gefahren. In einem kleinen Hotel teile ich mir mit Yared und einem weiteren Äthiopier ein Zimmer. Als wir im Ort ein Restaurant suchen, laufen wir unserem LKW-Fahrer über den Weg. Er fragt uns, warum wir hier außerhalb des Hotels im Dunkeln noch herumlaufen. Überall drohe Raub und Totschlag!

"Aber doch nicht in Marsabit! Der Ort ist doch voller Soldaten und Polizisten."

"Ja - eben! Sie werden am Ende sagen, es seien shifta gewesen."

Er ist nicht er einzige, der davon überzeugt ist, daß die unterbezahlten Uniformierten auch in der Umgebung von Marsabit häufig in die Überfälle verwickelt sind. In der Bar, in der wir nach dem Essen noch ein Bier trinken, erzählt uns eine Turkana-Frau, daß die Lage im Westen weitaus entspannter sei. "Dort gibt es nur wenige Soldaten."



Seitenwechsel - zwischen Lake Baringo und Lake Nakuru.

Der rauhe Trans-East-African Highway setzt uns auch am nächsten Tag wieder kräftig zu. Wir sitzen auf dem LKW unter einer dicken Plane auf Erdnußsäcken, werden durchgeschüttelt und mit einer dicken Staubschicht überzogen. Jedesmal, wenn wenn der Truck in ein Schlagloch fährt, hebt es uns zusammen mit der Ladung kurz an. Die niederknallenden Erdnußsäcke setzen dann eine Staubwolke frei, die uns in ernste Atemnot bringt.

Am Nachmittag platzt ein Reifen mit einem Knall, den alle Mitfahrer im ersten Moment für einen Gewehrschuß halten. Allgemeines Aufatmen, als wir hinten rechts den platten Reifen sehen. Ohne weitere Zwischenfälle kommen wir ein paar Stunden später in Isiolo an, wo ich mich herzlich von der Truck-Besatzung und von Yared veabschiede. Ich werde noch eine kleine Schleife zu den Lakes Baringo, Nakuru und Naivasha radeln, bevor wir uns in Nairobi vielleicht wiedersehen.

Am nächsten Tag sehe ich in der kenyanischen Zeitung in großen Lettern: "Ein Toter bei Überfall auf Konvoi im Norden." Es waren LKWs, die etwas weiter im Osten von Wajir nach Isiolo wollten.

ENDE

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