Dikhil, Djibouti, 14.03.2001 (9348 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5   Bab al Mandab

Jetzt, da das Boot in der Bucht ruhig liegt, geht es Radwan und mir wieder blendend. Optimistisch nehmen wir das verspätete Mittagessen ein - nicht Bohnenmus mit Fladenbrot, sondern Reis mit gekochtem Fleisch und scharfer Soße.

Nach einer Stunde Pause bläst der Kapitän urplötzlich wieder zum Aufbruch. Vielleicht hat er ein Nachlassen des Windes erkannt. - Auf geht's durch Bab al Mandab!



Djibouti - Grand Barra Depression.

Die Gewalt des Windes übertrifft nun alles, was wir bisher erlebt haben. Das Boot tanzt auf dem Wasser wie die sprichwörtliche Nußschale. Ich klammere mich an der Brüstung fest, um nicht über Bord zu gehen, und versuche, im Gesicht des Steuermannes wieder den Ernst der Lage abzulesen. Der hat gerade seinen Ersatzmann nach hinten gerufen, um sich mit ihm zu beraten. Sie sind beide angespannt. Jedesmal, wenn das Boot bedenklich nach vorn oder zur Seite kippt, raunt die Besatzung im Chor, als wollte sie sagen: Diese Welle hättet ihr aber auch besser nehmen können.

Radwans Optimismus bei der Einnahme unseres Nachmittagessens war begründet, meiner nicht. Nun entreiße ich Radwan endgültig seinen Titel als Kotzkönig. Schade um das schöne Reisfleisch. Es sieht noch sehr gut aus. Es ist ja auch erst seit zwei Stunden angedaut.

Hinter dem Bab al Mandab wird die See bedeutend ruhiger. Endlich scheint es überstanden zu sein. Im Osten geht der Vollmond auf, und auch die Mienen der Besatzung erhellen sich. Bald schlafe ich ein.

Als mich Radwan nach elf Stunden weckt, dämmert es bereits. Er deutet auf Schiffe und auf Hafenanlagen. "Djibouti!" ruft er und lächelt froh: "Welcome to Africa!"'

ENDE

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