Dikhil, Djibouti, 14.03.2001 (9348 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5   Bab al Mandab

Mir geht es noch erstaunlich gut. Das Frühstück - Fladenbrot mit Bohnenmus - lasse ich nach den ersten zwei Bissen allerdings wieder zurückgehen. Diese beiden Bissen hüpfen bereits im Magen.

Hätte ich den alten Kapitän gestern am Hafen nicht stehen sehen, müßte ich glauben, er sei gelähmt. Er sitzt die ganze Zeit während der Fahrt achtern steuerbord auf einem Deckenlager und gibt von hier aus sämtliche Anweisungen.



Nach der Ankunft im Hafen von Djibouti hat sich der Captain von seinem Deckenlager erhoben.

Er steht auch nicht auf, als Radwan um seine Pinkelflasche bittet. Radwan kann unterdessen nicht aufstehen, da er immer noch über der Reling hängt und kotzt. Der Captain rollt die Mineralwasserflasche mit dem gekappten und somit erweiterten Hals zu Radwan rüber, der in einer Kotzpause seine Blase erleichtert. Nachdem er die Flasche mit dem Wind ins Meer entleert hat, rollt er dem Captain sein Eigentum wieder zurück.

Irgendwann schließe ich mich Radwan an der Reling solidarisch an. Nicht nur die zwei Bissen des Frühstücks erlangen ihre Freiheit zurück, sondern auch das gestrige Abendessen. Vielleicht auch noch unidentifizierbare Reste der anderen Mahlzeiten von gestern. Jedenfalls wundere ich mich über das Speichervolumen meines Magens.

Nach neun Stunden haben wir erst ein Drittel des Weges geschafft. Direkt vor dem Bab al Mandab, dem Ausgang des Roten Meeres in den Indischen Ozean, gehen wir vor Anker. Einige Besatzungsmitglieder behaupten, wir würden hier übernachten, andere sagen, der Kapitän warte auf das Abflauen des Windes. Der Kapitän selbst hüllt ich in Schweigen.

Er gibt jedoch Anweisung, die Ladung umzuschichten. Das Boot hat sich in den letzten Stunden verdammt stark nach backbord geneigt. weiter

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