Dikhil, Djibouti, 14.03.2001 (9348 Kilometer)
Die Sambuq, der ich mich anvertraue, ist etwa 25 Meter lang. Ein Holzboot, ähnlich wie eine Dhau, allerdings nicht vom Wind angetrieben, sondern von einem Dieselmotor. Diese Sambuqs dienen in der Hauptsache dem Güterkleinverkehr zwischen dem Jemen und Ostafrika; unser Boot hat Gasflaschen und Getränkedosen geladen. Außer mir fahren noch zwei Passagiere aus Djibouti mit, Radwan und Mohamed.
Als unser Gepäck an Bord ist, ist eigentlich alles bereit zur Abfahrt. Denke ich jedenfalls. Doch zunächst wird ein Abendessen gereicht, das in einer winzigen Bordkombüse zubereitet wurde: Bohnenmus mit Fladenbrot. Die Sonne ist untergegangen, als ein Besatzungsmitglied kleine Gläschen mit sehr aromatischem Tee verteilt. Die 60 Mark, die ich für die Überfahrt ausgehandelt habe (der Kapitän startete mit dem doppelten Preis), sind also inklusive Kost. Die Logis ist eine Decke, die für jeden Passagier auf einem kleinen Deck achtern ausgebreitet wurde.
Nach dem Tee legt sich alles zur Ruhe. Es heißt, wir führen in der Nacht los.

Nach zwölf Stunden liegen wir immer noch im Hafen. Weil der Wind nicht nachgelassen hätte, erklärt Radwan jetzt. Im ersten Morgengrauen legt das Schiff dann aber ab.
Wir haben den schützenden Hafen gerade erst verlassen, da verstehe ich, warum in diesen Tagen sich praktisch niemand aufs Meer wagt. Das Boot tanzt auf den Wellen, als würde es ausschließlich von den Naturgewalten manövriert. Aber der Steuermann trägt noch Gelassenheit auf seinem Gesicht.
Radwan hat inzwischen damit begonnen, das Abendessen wieder herzugeben. Kriechenderweise hat er sich an die Reling begeben und sich dann hastig vornüber gebeugt. Jetzt hängt er da und kotzt und kotzt. weiter