Al Mukha, Jemen, 06.03.2001 (9204 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Kein Kaffee in Al Mukha

In jedem diese Häuser wohnt eine Familie mit mehreren Generationen. Im Erdgeschoß sind Vieh und Güter untergebracht, in den mittleren Stockwerken finden sich Badezimmer, Küchen und Wohnräume. Das "mafrai" im obersten Geschoß besitzt einen besonderen hohen Wert; hier empfängt der Besitzer seine Gäste - hier trifft man sich auch zum Qat-Kauen am Nachmittag.

Die sanfte Droge Qat gehört zum Klischee dieses Landes wie die "jambiya", das gebogene Messer, das jeder traditionsbewußte Jemenit am Gürtel vor seinem Bauch trägt. Qat bestimmt den Lebensrhythmus, euphorisiert das Land in den Mittagsstunden, lähmt es am Nachmittag, bevor bis zum Abend der Qat-Kater langsam wieder nachläßt. Der Jemen ohne Qat wäre wie das Oktoberfest ohne Bier.



Lakamat al-Qadi - typisches Festungsdorf im Hochland.

Der Qat-Strauch ist eine widerstandsfähige Pflanze, die wenig Pflege braucht. Nur Wasser muß in ausreichender Menge vorhanden sein. Der Strauch wächst in den gleichen Regionen wie Kaffee, oft werden auf den Terrassen Kaffee- und Qat-Pflanzen gemischt. Vielerorts wurde der Kaffee aber bereits verdrängt, weil der Anbau von Qat einen höheren Gewinn verspricht. Umfragen haben ergeben, daß der Durchschnitts-Jemenit ein bis zwei Viertel seines Einkommens für diese Droge ausgibt.

Die Blätter des Qat-Strauches werden gekaut, aber nicht heruntergeschluckt. Sie werden auch nicht ausgespuckt, sondern zerkaut in die Backe geschoben. Ständig wird nachgeschoben, und so beginnen mittags die Backen der jemenitischen Männer beulenartig anzuwachsen. Die Klumpen werden groß wie Golfbälle. Allerdings gehört ein bißchen Übung dazu, den Brei im Mund zu halten und zur Kugel zu formen. Mir rutschte am Ende doch immer alles im Magen. weiter

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