Al Mukha, Jemen, 06.03.2001 (9204 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Kein Kaffee in Al Mukha

Bis kurz vor die Grenze hat mich wieder ein saudischer Polizeiwagen begleitet. Der letzte von etwa 30 in den vergangenen Tagen. 800 Kilometer Eskorte durch Saudi-Arabien, eines der sichersten Länder der Erde, gehen damit zu Ende. Im Jemen, wo ich mich ein bißchen vor den Entführungen fürchte, bin ich nun also allein.

Selten habe ich einen so harten Kontrast zwischen zwei aneinandergrenzenden Ländern gesehen wie hier zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen. Dort drüben fließen Strom und Wasser bis in jeden kleinen Dorfhaushalt, hier ist Strom Luxus, und Wasser wird in Kanistern vom Brunnen geholt. Kein Pickup fährt ohne Passagiere auf der Ladefläche, Motorräder sind mit drei oder vier Mann besetzt. Die Kleidung vieler Menschen ist zerlumpt, man sieht Bettler, Kranke und Krüppel auf den Straßen.



Morgens in Manakha.

Typisch für das Tihama, die nördliche Küstenregion, sind die Hüttenansammlungen, die westafrikanischen Krals verblüffend ähnlich sehen. Die Hütten sind sauber mit Lehm verputzt, ebenso die Mauern, die die Hütten miteinander verbinden oder sie umschließen. Von dem Holzgerippe, das die Wände trägt, sieht man durch die dicke Lehmschicht nichts. Obenauf hohe runde, spitz zulaufende Dächer aus Gras, das nach unten so weit herabreicht, daß man unwillkürlich an einen Friseur denken muß.

Vollkommen anders die Architektur im Hochland, 100 Kilometer landeinwärts, 2000 Meter über dem Meer. Hier findet man den Jemen, den man aus Bilderbüchern und Filmen kennt. Hochhäuser aus grobgehauenen Steinen oder aus Lehmziegeln, in den zerklüfteten Regionen mitunter provokativ an den Abgrund gebaut, als sei ein Weichei, wer den sicheren Platz in der Mitte eines dieser zinnenartigen Hochplateaus sucht. weiter

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