Damaskus, Syrien, 15.12.2000 (5701 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5   Die Botschafts-Rallye (Teil II)

In den moderneren Stadtvierteln bleiben einige Geschäfte offen, aber Kunden kommen in dieser Zeit nicht vorbei. Alles stellt sich jetzt auf das Essen ein. Ein Friseur sitzt in seinem leeren Salon vor dem Frisiertisch, auf dem in einer flachen Schale die Mahlzeit bereitsteht. In einem Laden, in dem Nüsse verkauft werden, sitzen drei Männer zwischen den Regalen um einen niedrigen Tisch herum, auf dem eine Schüssel mit gestampften Bohnen dampft. Überall gespannte Ruhe. Zu anderen Tageszeiten wird mehr geredet.

Die Choukri al-Quatli-Straße, die sonst für Fußgänger fast unüberwindbar ist, kann man während der nächsten halben Stunde blind überqueren. Das Bild ist so ungewöhnlich wie das einer verwaisten Autobahn Nürnberg - Würzburg.



Nachts im Basar.

An der Straßenkreuzung hocken die Polizisten im Kreis um ein Bündel mit ihrem Abendessen herum. Vor der Imbißbude stehen Männer mit Felaffelbroten in der Hand. Im Innenraum sitzt ein Soldat auf einem Plastikstuhl, die Ellenbogen auf die Kniee gestützt, die flachen Hände an den Ohren, die Augen geschlossen. Vor ihm auf einem Plastikschemel eine Plastiktüte, in der ein Sandwich auf ihn wartet. Wie all die anderen hat er den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken.

Ein Böllerrakete wird gezündet. Ein paar Sekunden zu früh. Um 16.33 Uhr dann aber endlich die Erlösung. Der Ruf. Der erlösende Ruf des Muezzin.

In diesem Moment beißt ganz Damaskus zu.

ENDE

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