Damaskus, Syrien, 15.12.2000 (5701 Kilometer)
Mohamed hat vor zweieinhalb Jahren in Deutschland zwar Asyl gefunden, aber keine Arbeit. Deswegen durfte seine Familie nicht nachkommen. Seine Frau und die Tochter leben jetzt in Jordanien, während er nach Schweden weitergezogen ist, wo er einen Job bekam. Nach zweieinhalb Jahren sieht er Frau und Tochter nun zum ersten Mal in Damaskus wieder. Wenn alles gut geht, wird die Familie in vier Monaten in Schweden wiedervereint sein.
Haitham ist nach Damaskus gekommen, weil er Sehnsucht nach arabischer Umgebung hatte. Er ist kurz nach dem zweiten Golfkrieg, den er als Soldat erlebt hat, nach Dänemark geflohen. Dort schlägt er sich mit Malerei und Gelegenheitsarbeit durchs Leben. Seine Familie in Bagdad hat er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Die Rückkehr in den Irak würde er aber mit dem Leben bezahlen.

Um halb fünf abends, wenn der Muezzin bei Sonnenuntergang zum Abendgebet ruft, nehmen wir im Innenhof des Hotels zusammen das Abendessen ein. Es wird im Laufe des Nachmittags von der ganzen Gemeinschaft zubereitet, jeder steuert etwas zu der Mahlzeit bei. Tagsüber wird gefastet, denn es ist Ramadan.
Ramadan bedeutet für die Moslems im wesentlichen: einen Monat lang zwischen Sonnenaufgang und Sonenuntergang nicht essen und nicht trinken. Die Fastenzeit bestimmt den Tagesablauf. Man startet später in den Tag, und nachmittags gegen vier Uhr macht sich allgemeine Unruhe breit.
Im Souk - dem Basar - herrscht kurz vor vier aufgeregte Hektik. Die Händler stopfen hastig ihre Auslagen in die Ladennischen, blicken nervös auf die Uhr, lassen dann scheppernd die schweren Rolläden fallen, um rechtzeitig zu Hause mit der Familie das Essen einnehmen zu können. Um viertel nach vier ist der Basar gespenstisch leer. Zwei Stunden später wird das Leben wieder zurückkehren. weiter