Damaskus, Syrien, 15.12.2000 (5701 Kilometer)
Später erfuhr ich noch, daß die Grenzen zwischen dem Irak und dem Iran geschlossen sind. Der Irak wäre also eine Sackgasse.
In Damaskus warte ich nun also nur noch auf die Einladung aus Saudi-Arabien, mit der ich dann bei der Botschaft das Visum beantragen kann. Tage vergehen, ohne daß das erwartete Fax kommt. Eine Woche verstreicht. Dann erfahre ich, daß bereits diese Einladung von mehreren Behörden in Saudi-Arabien genehmigt werden muß. Warten, warten, warten. Frustrierendes Warten. Zweimal träume ich in diesen Tagen, auf einen Kurzurlaub nach Hause geflogen zu sein. Morgens sehne ich mich manchmal nach dem Büro, dem Computer, C++-Listings und den Siemens-Kollegen zurück.
In Damaskus bin ich mittlerweilen bekannt. Der Wirt in der Felaffel-Bude grüßt mich schon seit langem mit Handschlag. Er ruft dem Jungen, der die Kichererbsenbälle mit dem Salat in das Fladenbrot einwickelt, dann immer zu: "Einmal Felaffel Spezial" - eine besonders große Portion für gerade mal 70 Pfennige.

Auf dem Weg von der Bude zurück zum Hotel flüstern mir die Zuhälter nur noch lächelnd ihr leises "Madame?" zu. Sie wissen inzwischen, daß ich nicht auf ihre Prostituierten aus bin. Und auch die Schuhputzer fragen nicht mehr, ob sie meine Sandalen wienern dürfen.
Im Al-Rabie-Hotel habe ich mich unterdessen mit einer eine Clique von Irakern angefreundet. Einige von ihnen sind zu Besuch in Damaskus, andere sind hier gestrandet.
Die hübsche Fatya ist im Nahen Osten zurückgeblieben, als ihre Eltern von Bagdad nach Europa flohen. Als die Familie auf der Deutschen Botschaft in Ankara um Asyl bat, schickte man die damals 17jährige zurück, sie solle einen Paß herbeibringen. Die Formalitäten zogen sich hin, bis sie 18 war. Als Volljährige darf sie nun ihrer Familie nicht nach Deutschland folgen. weiter