Damaskus, Syrien, 06.12.2000 (5701 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4   Die Botschafts-Rallye (Teil I)

Wie erfrischend die Freundlichkeit und Flexibilität bei den Jemeniten! Das Jemen-Visum hat eigentlich nur eine Gültigkeit von einem Monat. Meinem Wunsch, sie auf drei Monate auszudehnen, wird innerhalb weniger Minuten entsprochen. Sogar auf das Empfehlungsschreiben verzichten sie; es reicht ein kurzes Seufzen: "Oje, die Deutsche Botschaft ist zwei Tage lang geschlossen". Um elf Uhr reiche ich den Paß und die ausgefüllten Anträge (und 65 Mark) ein. Schon in zwei Stunden wollen sie mir den Paß mit dem Visum zurückgeben.



Die Omajjaden-Moschee in Damaskus ist eines der bedeutendsten Heiligtümer der Moslems.

Das wäre dann allerdings zu schön gewesen. Als ich um ein Uhr den Paß abholen will, fordert man meinen "alten Paß". Ich hatte bei ihnen den zweiten Ausweis abgegeben, da ich im ersten unterdessen die Aufenthaltsgenehmigung für Syrien verlängern wollte. Der Zweitpaß war ganz neu, blitzeblank ohne einen einzigen Stempel drin. Da ist ihnen wohl der Verdacht gekommen, daß der andere Ausweis den Hinweis auf einen Israel-Besuch enthält (Israel-Stempel oder Ein-/Ausreisestempel Ägypten/Jordanien an einem Grenzposten zu Israel). Wie die meisten arabischen Staaten läßt auch Jemen niemanden einreisen, der Israel besucht hat.

Da ich den anderen Paß nicht dabei habe, soll ich am nächsten Tag wiederkommen. "Bingen Sie morgen den alten Paß mit. Um elf Uhr können Sie das Visum abholen." Sagt die freundliche Dame - und schickt dann aber doch wieder diese blöde Floskel hinterher, diesen kurzen Satz, der jede Verabredung in Frage stellt, der das Planen in dieser Region unmöglich macht, den Weichmacher eines jeden Termins:

Insh'allah - wenn Gott es will.

ENDE

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