Damaskus, Syrien, 26.11.2000 (5701 Kilometer)
Syrien ist karg. Fruchtbar ist der schmale Streifen westlich der Achse Aleppo - Homs - Damaskus. Im Osten geht die Steppe bald über in Sand- und Geröllwüste, die bis über den Euphrat hinweg zur syrisch-irakischen Grenze reicht.
Während die Olivenernte gerade auf Hochtouren läuft - überall dreschen Männer mit Stöcken auf die kleinen Bäumchen ein -, sind die Felder abgeerntet. Jetzt hängen nur noch schwarze und weiße Plastiktüten in den Stoppeln fest, vom starken Ostwind auf Kürbisgröße aufgeblasen. Das Umweltbewußtsein ist in Syrien noch nicht besonders ausgeprägt. All der Verpackungsmüll, aber auch ausgediente Haushaltsgeräte werden einfach am Straßenrand entsorgt.

Ihre Autos allerdings legen die Syrer nicht so leichtfertig ab. Was auf den Straßen zwischen Aleppo und Damaskus alles rumfährt! Der 1959er Mercedes ist als Taxi sehr verbreitet, liebevoll verziert mit bunten Glitzerketten und blinkenden Lichtern vor dem Kühler, kleinen Teppichen auf dem Armaturenbrett und Girlanden über der Windschutzscheibe. "Kitsch" würde man bei uns sagen - hier paßt es einfach hin. Auch den Opel Kapitän aus den 60er-Jahren sieht man häufig, ebenso betagte Chrysler, Chevrolets, Oldsmobils und ein fast 50 Jahre altes Pontiac-Modell.
Verrückterweise werden diese alten Schlitten auch noch steuerlich begünstigt. Für zehnjährige und jüngere Fahrzeuge zahlt der Halter 400 Mark im Jahr, die alten Dieselstinker sind jedoch steuerfrei. Dementsprechend lange hält man sie instand, dementsprechend verschmutzt ist die Luft in Aleppo und besonders in der Hauptstadt. Damaskus beginnt allmählich, Athen Konkurrenz zu machen.
Besorgt wegen der hohen Abgaskonzentration fragte jemand auf einer Reiseseite im Internet, was denn vom Joggen in Damaskus zu halten sei. Einhelliger Tenor in den Antworten: Verzichte wegen der Belastung für die Lungen lieber darauf. Einer riet: Wenn du aber unbedingt joggen willst, dann tu´ deiner Gesundheit den Gefallen und rauche dabei.