Aleppo, Syrien, 18.11.2000 (5332 Kilometer)
Die Grenze beim Bab el Hawa ist nicht mehr so einsam wie 1985, als ich hier zum ersten Mal nach Syrien einreiste (siehe Archiv-Bericht "Kurier zum Nil"). Auf türkischer Seite ist der Ort Rehanli bis an den Grenzzaun herangewachsen. Die Straße führt direkt an dem Stacheldraht entlang. Dahinter leeres, ödes Land. "Don't stop here!" wird mehrfach auf Schildern gemahnt. Von hochbeinigen Wachttürmen blicken Späher über den Zaun hinweg in die jenseitige Leere; am Boden haben sich Soldaten hinter Sandsäcken verschanzt und das Gewehr gen Syrien gerichtet. Dumpfe Stimmung. Front-Atmosphäre. Es sieht aus, als hätte der arabische Nachbar den Einmarsch angekündigt.

Beim türkischen Grenzposten sind die Formalitäten schnell erledigt. Ich fülle ein Ausreisekärtchen aus, bekomme einen Stempel in den Paß - fertig. Die Syrer sind etwas umständlicher. Mein Nachbar am Schalter hat Schwierigkeiten, sein Herkunftsland klarzumachen. "Chile!" wiederholt er immer wieder. Der Beamte spitzt das Ohr, denn er muß das Gehörte in arabischen Schriftzeichen in seine dicke Kladde eintragen. "China?" kommt immer wieder als Frage zurück. Was passiert wohl, wenn hier mal einer aus dem Fürstentum Liechtenstein vorbeikommt? weiter