Alexandroupolis, Griechenland, 15.10.2000 (3341 Kilometer)
An der Grenze nach Griechenland bei Kakavia fühlt man sich wie auf der unangenehmeren Seite einer Gefängnismauer. Meterhohe Metallzäune mit Stacheldrahtrollen obenauf sollen vermutlich die Albaner daran hindern, unkontrolliert nach Griechenland einzureisen. Die illegale Einwanderung findet aber weiter im Westen durch die unwegsamen Bergwälder statt.
Irgendwie gelingt es mir, mich am griechischen Zoll vorbeizumogeln. Das macht mich froh, denn dort steht drohend ein Röntgenapparat, wie man ihn sonst eigentlich von Flughäfen kennt. Wenn sie die Packtaschen da durchschieben wollten, müßte ich vorher die Filme von ganz unten herauskramen.

Als mich nur noch eine letzte Paßkontrolle von Griechenland trennt, kommt ein aufgeregter Zöllner laut rufend von hinten angerannt. Er nimmt mich wieder zurück Richtung Röntgenmaschine.
"Albanien ist nicht Europa", sagt er belehrend, und meint damit wahrscheinlich, daß dies eine EU-Außengrenze ist. Oder sollte das eine abfällige Bemerkung sein, von der Art: Das da drüben sind doch alles Barbaren?
Mit der Strahlenmaschine werde ich zwar nicht konfrontiert, aber ich soll die Taschen ausräumen. - "Alles?" - "Ja, alles." - Ich öffne die hintere rechte Tasche. Der Zöllner schaut hinein und gibt sich mit einem kurzen Blick zufrieden. Bei der linken hinteren Tasche dasselbe. Dann fragt er, ob ich Urlaub in Albanien gemacht hätte. - "Ja." - Nun rümpft er plötzlich die Nase, als hätte ich mich während dieser letzten zwei Wochen nicht gewaschen. Und schon läßt er mich ziehen. weiter