Saranda, Albanien, 04.10.2000 (2533 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3   Albanien heute

Eines war für mich vor der Einreise nach Albanien sicher: Überfahren werde ich in jenem Lande nicht.

Woher diese Zuversicht?

Bis zur Öffnung Albaniens Anfang der 90er Jahre gab es dort keinen privaten Autoverkehr; man fuhr mit dem Bus, dem Zug oder auf Pferdegespannen. Und in zehn Jahren können die Albaner - allein schon aus Finanzschwäche - wohl kaum bedeutend aufgeholt haben.

Was für eine Fehleinschätzung!

Auf inzwischen viel zu schmalen Straßen tummelt sich, was gut und teuer ist: Mercedes, Volvo, BMW, manch bulliger Geländewagen. In der Hauptstadt Tirana gibt es bereits Rush Hours mit ansehnlichen Staus.



Vor zehn Jahren gab es noch keine Privatfahrzeuge. Inzwischen verrottet die erste Generation am Straßenrand.

Die Autos sind das Augenscheinlichste, womit die Albaner Prosperität demonstrieren. Aber auch aufwendig gebaute, weiß getünchte Häuser und neue Fabriken zeugen davon, daß gar nicht so wenig Geld in diesem Lande ist. Auf wie viele Taschen es verteilt ist, ist eine andere Frage.

Am ersten Abend komme ich in einem kleinen Lokal in Shkodra mit vier jungen Männern ins Gespräch. Nur einer von ihnen, Isa, hat Arbeit. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft beschäftigt ihn stundenweise. "Wenn nichts zu tun ist, schicken sie mich unbezahlt nach Hause", sagt er. Aber Isa steht immer noch besser da als seine drei Freunde, die er an diesem Abend aushält. Sichtbare Arbeitslosigkeit ist in Albanien seit der Wende ein großes Problem. weiter

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