Tirana, Albanien, 27.09.2000 (2251 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3   Ein alter Traum

Im Sommer 1984 hing eines Morgens ein Visum für Albanien an meinem Zelteingang. Daneben lehnte ein kleines Fläschchen Ouzo. Die Zeltnachbarn, ein Pärchen aus England, war in aller Frühe abgereist und offenbar für diese Aufmerksamkeit verantwortlich.

Mein Zelt stand am Ostufer des Ohridsees, damals jugoslawisches, heute mazedonisches Territorium. Vis-a-vis lag Albanien. Wenn abends drüben die Lichter angingen, stand ich am See und starrte hinüber in dieses Land, das zu der Zeit verschlossener war als jeder Staat des Ostblocks. Genau das war es, was meine Neugier weckte.



Privaten Kraftverkehr gibt es in Albanien erst seit der Wende.

Die Flasche Ouzo an meinem Zelteingang war echt. Das Visum natürlich nicht. Als Individualreisender hatte man nicht die geringste Chance, dieses Land zu besuchen. Und eine Gruppenreise - von langer Hand in Deutschland organisiert, teuer, gelenkt und geleitet - interessierte mich überhaupt nicht.

Ich fuhr in jenem Jahr mit dem Fahrrad südlich um Albanien herum und setzte nach Korfu über. Im Norden der Insel noch einmal eine ähnliche Situation wie am Ohridsee: Dort ist man von Albanien nur durch ein paar Mittelmeer-Kilometer getrennt. Viele Albaner haben in der Zeit der hermetischen Abschottung versucht, schwimmend zu der griechischen Insel zu fliehen. Viele der Fluchtversuche wurden vereitelt - wie an der innerdeutschen Grenze durch Todesschüsse.

Wieder zurück in Deutschland, versuchte ich über die "Deutsch-Albanische Freundschaftsgesellschaft" ein Einzelvisum zu bekommen. Aber auch die konnten und wollten nur Gruppenreisen vermitteln. Der Traum von Albanien war für mich damit ausgeträumt. weiter

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