Kupari (bei Dubrovnik), Kroatien, 19.09.2000 (1906 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4   Geisterdörfer

Islam Grcki, Kasic und Smilcic - nahe der Hafenstadt Zadar - sind an der Straße ausgeschildert wie Rijeka, Split oder Dubrovnik. Sie sind auf der Karte eingezeichnet wie jeder andere Ort auch. Aber sie existieren nicht mehr, sie sind tot - es sind heute nur noch Geisterdörfer.

Sämtliche Häuser im Krieg Anfang der 90er Jahre zerbombt, zerschossen, zum Teil dem Erdboden gleichgemacht. Wirklich dem Erdboden gleichgemacht. Zwei, drei Stockwerke flach zu einem Sandwich zusammengelegt.

Die Szenerie ist unecht und unheimlich zugleich. Es sieht aus, als sei das alles nur eine Filmkulisse.

Auf dem Schild am Ortsende von Kasic die fünf Buchstaben mit blutroter Farbe beschmiert. Wieviel Blut ist hier wohl vergossen worden? Niemand in diesen Geisterorten, den man fragen könnte, was genau hier passierte und wann genau es war.



Gedankstätte für 35 Soldaten bei Kasic

Zwischen den Ortschaften erzählt eine Gedenkstätte etwas. Sie erinnert an 35 Soldaten und Kämpfer. Der älteste war 36, als er starb, der jüngste 19.

Als der Krieg damals losging, sagte die Welt: alles logisch. Nach Titos Tod war die zusammenhaltende Macht nicht mehr da. Überraschend, daß Jugoslawien überhaupt noch einige Zeit funktioniert hat. Aber irgendwann mußte es dann ja knallen. Logisch.

Normal ist es inzwischen auch, daß Kamerateams dabei sind, wenn mit Kanonen auf die Gegenseite geballert wird. Krieg live. Und alles logisch. Wenn man dann aber noch näher herangeht - wenn man den Einzelnen sieht: Sasa Dragutin Hlebec, geboren 1973, gestorben 1993 in Kasic -, dann ist nichts mehr logisch. Dann ist alles wieder nur Irrsinn.

ENDE

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