Rijeka, Kroatien, 11.09.01 (1287 Kilometer) Seite 1 | Seite 2   Sackgasse Kroatien?

Etwas spät ist mir wieder eingefallen, daß Montenegro kein eigenständiger Staat wie Kroatien ist, sondern zusammen mit Serbien die Republik Jugoslawien bildet (in Deutschland gern als "Restjugoslawien" bezeichnet). Für Serbien gilt seit einiger Zeit Visumpflicht. Früher haben sie dir an der Grenze einfach einen Stempel in den Paß gedrückt. Heute mußt du das Visum schon vor der Anreise beantragen. Und wie sieht es mit Montenegro aus? Sind die auch so streng? Es ist ja bekannt, daß sie Mitteleuropa näherstehen und mit einer Trennung von Serbien liebäugeln.

Anruf in Rijeka beim "Konsulat der Republik Jugoslawien", das von Serben geführt wird. "Brauche ich für den Besuch Montenegros ein Visum? Ich bin Deutscher."

"Natürlich brauchen Sie ein Visum. Montenegro ist ein Teil Jugoslawiens, also brauchen Sie ein Visum." So wie der Herr am anderen Ende der Leitung das betont, sieht er Montenegro wohl auch schon entschwinden.



Yachthafen von Icici

Die freundliche Kroatin im Tourist Office von Icici, die den Kontakt zum Konsulat hergestellt hat, erzählt, daß sie neulich nicht zu einer Familienfeier in Belgrad konnte, weil man ihr das Visum nicht schnell genug ausstellen wollte. - Wie lange werden sie mich warten lassen? Da habe ich das Reifenproblem einigermaßen gelöst und hänge nun möglicherweise wegen dieses blöden Visums fest.

Zu allem Überfluß halten die beiden letzten jugoslawischen Teilstaaten in zwei Wochen auch noch Wahlen ab, was die ohnehin labile Lage noch um einiges heißer macht. Das Auswärtige Amt rät auf seiner Internet-Seite von Reisen nach Montenegro um diese Zeit ab. Man vermutet, daß Montenegro Milosevic abwählen und sich unabhängig machen will. Wie würde in einem solchen Fall Belgrad reagieren?

"Mensch, das ist ja alles ganz schön kompliziert", sage ich leicht frustriert zu der Dame im Tourist Office.

"Ja", meint sie, "es ist einfacher und sicherer, sich eine Frau an den Arm zu nehmen und hier in Kroatien am Strand entlangzuwandern."

ENDE

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