Triesen, Liechtenstein, 28.08.2000 (467 Kilometer) Seite 1 | Seite 2   Abgefahren

Über Ulm geht es weiter Richtung Liechtenstein. Das Allgäu grüßt mit saftig grünen, sanft geschwungenen Hügeln. Es duftet intensiv nach frisch gemähtem Gras. Und noch ein Duft steigt auf, ein lange nicht mehr vernommener: der Geruch von Freiheit. Langsam begreife ich auch in den hinteren Hirnwindungen, was los ist. Das hier ist keine gewöhnliche Tour durch Süddeutschland. Die große Reise hat begonnen. In den nächsten Jahren kann ich meinen Lenker drehen, wohin ich will.



Hoch thront das Schloß des Fürsten über Vaduz

Die ersten zwei Tage war das Wetter traumhaft: strahlende Sonne, gemäßigte Temperaturen, klare Luft. Am dritten Tag überraschender Wetterwechsel. Kurz vor dem Bodensee setzt strömender Regen ein. Abschied von Deutschland bei Sauwetter.

Ein wenig plagt mich ja das Gewissen - einfach so abzuhauen. Als ich zuletzt im September 1992 Deutschland für längere Zeit verließ, biß wenig später mein Arbeitgeber - die PKI in Nürnberg - ins Gras. 600 Mann hatten sie nach meinem Ausscheiden noch eingestellt, aber das half nichts. PKI Nürnberg halbierte im Laufe des Jahres 93 die Mitarbeiterzahl und mußte am Ende verkauft werden.

Aber nicht nur die PKI ward gebeutelt. Über ganz Deutschland zog damals eine Rezession. Bei meiner Rückkehr Ende 1993 sah alles ziemlich düster aus. Und jetzt, wo die Wirtschaft endlich einigermaßen auf die Beine gestellt ist, lasse ich Euch schon wieder im Stich. Eigentlich unverantwortlich. Was bleibt mir da zu sagen?

Halt durch, Siemens! Viel Glück Deutschland!

ENDE

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