Erlangen, Deutschland, 17.08.00 (0 Kilometer) Seite 1 | Seite 2   Sterben und Vererben

Ganz schön flau in Hirn und Bauch - so kurz vor dem Abschied aus Deutschland. In wenigen Tagen werde ich mich auf den Drahtesel schwingen und von einem Moment auf den anderen aus dem geregelten Leben herausradeln. Damit werde ich auf der einen Seite dem üblichen Trott den Rücken zuwenden - und das ist ja schön -, mich auf der anderen Seite aber eben auch von den liebgewonnenen Freunden, Verwandten und Bekannten verabschieden müssen. Das ist gar nicht so schön.



Vorbereitung für die Weltreise

Kennt irgend jemand noch diesen uralten Schlager "Ab-schied ... ist ein bißchen wie Ste-her-ben ..."? Fand ich immer ziemlich blöd, aber in diesen Tagen bekommt der Titel Sinn für mich. Wohnung leerräumen, Sachen verschenken, meinem Bruder eine Vollmacht ausstellen, damit er über die 34 Rubel auf meinem Sparkonto verfügen kann - alles so Aktionen, die ein bißchen an Sterben und Vererben denken lassen. Ein Testament werde ich auch noch machen.

Enormer Streß in diesen letzten Wochen. Impfungen, Behördengänge, Wohnungsauflösung, Fahrradbasteln, Ausrüstung komplettieren, usw. Und die Saudis haben mir immer noch kein Visum ausgestellt. Sie sind an "ungläubigen" Touristen nicht interessiert. Zur Zeit kämpft die Deutsche Botschaft in Riad für mich. Mit einer Formalen Note haben sie sich an das Saudische Außenministerium gewandt. Sollten die dort eines Tages doch noch meine Einreise genehmigen, werde ich schon längst auf Achse sein. Vielleicht wird man mir unterwegs mitteilen, ich könne das Visum auf der Saudischen Botschaft in Amman/Jordanien abholen. Andernfalls müßte ich versuchen, über den Iran auszuweichen. Die mögen Einzelreisende aber auch nicht gern. weiter

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