Jeddah, Saudi Arabien, 02.02.2001 (7364 Kilometer)

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Das Visum

Am Spätnachmittag legte das Schiff ab. Gegen Mitternacht glitten am ägyptischen Ufer die hell erleuchteten Ölfördersiedlungen Ras Gharib und El Shukheir vorbei, die ich Wochen zuvor auf dem Weg von Hurghada nach Suez mit dem Fahrrad ebenfalls nachts, aber in umgekehrter Richtung, passiert hatte. Wieder diese unheimlichen Gasfackeln vor der schwarzen Wüste.

Auf dem Schiff bin ich der einzige Nicht-Araber. Die meisten anderen Passagiere sind ägyptische Pendler, die gutes Geld in Saudi-Arabien verdienen, das sie an ihre Familien in Ägypten überweisen. Ein paar Pilger sind auch an Bord - auf der Reise nach Mekka, das nur 70 Kilometer östlich von Jeddah liegt. Die Hauptpilgerzeit "Hajj" im letzten Monat des moslemischen Kalenders hat aber noch nicht begonnen.

In der Totenstadt in Cairo. Bis vor kurzen lebten über 100.000 Menschen zwischen den Gräbern; sie wurden nun umgesiedelt.

Von Stunde zu Stunde wird es auf dem Weg nach Süden wärmer. Die schwüle Luft zieht auch unter das Deck, wo sich die Ägypter mit Kartenspielen, Fernsehen und Teetrinken die Zeit vertreiben. Hinter der Theke, an der der Tee ausgeschenkt wird, hängt in einem Bilderrahmen verlockende Werbung für Guinness-Bier. Natürlich gibt es das hier nicht - wir sind auf dem Weg nach Saudi-Arabien. Das Bild stammt aus der Zeit, als dieses Schiff noch in schottischen Gewässern kreuzte.

Nach 40stündiger Fahrt laufen wir im "Jeddah Islamic Seaport" ein. Als Fremder genieße ich beim Verlassen der Fähre den Vortritt. Die Einreise-Formalitäten werden zügig abgewickelt, doch am Ende schockt man mich mit den Worten: "Sie haben drei Tage Transit." Das bedeutet Busfahrt bis zur Jemen-Grenze! weiter

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